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am 16.03.2010 um
02:24 Uhr
Für die Lounge von balancity, in der während der EXPO 2010 zahlreiche Repräsentanten aus China und anderen Ländern erwartet werden, waren Künstler aufgefordert, ihre Werke – ob Malerei, Grafik oder Fotografie – einzureichen. Das Ziel der Ausschreibung, die über verschiedene Kunstverbände und relevante Institutionen veröffentlicht wurde, war es, einem internationalen Publikum einen Einblick in die pulsierende Kunstszene Deutschlands zu vermitteln. Zum Stichtag, dem 25. September 2009, waren 91 Bewerbungen bei der Direktionsleitung des Deutschen Pavillons eingegangen.
Unter Einbeziehung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien trafen zunächst zwei Vertreter der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule und des Zentrums für Kunst und Medientechnologie sowie der Architekt und der Kreativdirektor des Deutschen Pavillons unabhängig voneinander eine Vorauswahl aus den eingegangenen Werken. Auf dieser Basis wurden für zwei repräsentative Flächen fünf Künstler und eine Künstlerin nominiert, jeweils für einen Monat ihre Werke in Shanghai zu zeigen. Es wurden fotografische Arbeiten, Spray Paintings und Malereien ausgewählt, die, so die Begründung der Auswahlkommission, „durch ihre künstlerische Qualität überzeugen, die internationale Bedeutung der deutschen Kunstlandschaft widerspiegeln und die Idee von ‚balancity – einer Stadt im Gleichgewicht’ aufgreifen.“
Den Auftakt im Mai 2010 macht EVOL, über den „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom 23.05.2009 schreibt: „EVOL ist das Pseudonym eines Berliner Straßenkünstlers, der – wenn er nicht Stadtlandschaften gestaltet – in erster Linie ausrangierte Kartonverpackungen minutiös mit einer Art Schablonenmalerei besprüht. Er integriert […] ursprüngliche Informationen auf der Pappe in seine Bildwerke. Die zwischen Malerei und Graffiti changierende Technik zeichnet sich durch in ihrer Perspektivwahl verblüffende, hyperrealistische Ausschnitte auf kleinstem Raum aus.“
Tom Fleischhauer lässt in „impressionistischer“ Malweise in unterschiedlichen Grautönen fotografische Momentaufnahmen entstehen, die wie Genrebilder des frühen 21. Jahrhunderts wirken. Das Leben in der Stadt, Menschen in der städtischen Öffentlichkeit bilden den Hauptfokus seiner Arbeit. Fleischhauers Gemälde zeigen Szenen des Alltags, beiläufige Ausschnitte, in denen die Zeit und das flüchtige Treiben sekundenlang innezuhalten scheinen.
Die klassisch anmutenden Ölmalereien auf Leinwand von Sebastian Schrader schöpfen aus dem Fundus bekannter Mythen und kunsthistorischer Motive, seine Figuren und Szenen wirken auf den ersten Blick beinahe altmeisterlich, erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass sie sich aus detailliert komponierten Fragmenten mit – zum Teil augenzwinkernden – Details des Hier und Heute zusammensetzen. Mit ironischer Brechung und malerischer Präzision bedient er die Tradition des Selbstporträts und thematisiert die Ambivalenz zwischen Tradition und Moderne.
Wer an den ehemaligen Grenz- und Mauerwegen von Berlin entlang wandert, den überraschen die massiven Häuserreihen und Wohnanlagen, die im Rahmen der Stadtentwicklung in den 1960er und 70er Jahren an den äußeren Rändern von Berlin – im Westen wie im Osten – gebaut wurden. In der Sonne liegend oder das Sonnenlicht reflektierend, erscheinen sie – aus der Distanz betrachtet – riesig, komplex und weiß, wie im Meer schwimmende Eisberge. Dieses Bild will der Künstler Gregor Stephan mit fotografischen Mitteln fassen. Wie daraus durch künstlerische Nachbereitung ungewöhnliche Stadtaufnahmen werden, ist im August 2010 in der Lounge des Deutschen Pavillons zu sehen.
Die Karlstraße liegt in einer Berg- und Zechenarbeitersiedlung mitten im Ruhrgebiet, ihre Häuser bestehen aus zwei Doppelhaushälften. Wer in dieser Gegend lebt, bewohnt ein lebendes Haus, weil sich durch den Bergbau Gebäude immer wieder absenken. Floß das Regenwasser vor 10 Jahren noch nach links, so fließt es heute die Straße nach rechts herunter. In den vergangenen Jahren wurden deshalb auch viele Häuserhälften verkauft, ihre neuen Bewohner gestalteten sie um. Während eine Hälfte neu farbig angestrichen wurde, blieb die zweite mit ihrer Patina vergangener Jahrzehnte erhalten. Entstanden ist eine kuriose zweigeteilte Häuserwelt, die die Fotografin Yolanda vom Hagen in ihren Bildern festgehalten hat.
Auch Jürgen Chill hat sich mit seinen Arbeiten der Fotografie verschrieben. Bei der Serie, die im Oktober 2010 im Deutschen Pavillon zu sehen ist, handelt es sich um Aufsichten auf Räume, die für eine bestimmte Funktion gebaut wurden und entsprechend eingerichtet sind. Es gelingt dem Künstler, Individualität und architektonische Konsistenz mit ungewöhnlich statischem Blick aufs Bild zu bannen. Die Räume sind menschenleer und so festgehalten, wie sie der Essener Fotograf vorgefunden hat – das Ganze in einer nicht alltäglichen und deshalb so spannenden Perspektive: senkrecht von oben.